Bayern gegen PSG in der Kneipe erleben – ein schwieriges Unterfangen
Möglicherweise werden heute gegen 21 Uhr viele verlorene Seelen in den Innenstädten dieser Nation umherziehen – nervös, gereizt und mit dem Smartphone im Anschlag. Denn sie alle wollen Fußball gucken und suchen ein entsprechendes Etablissement, das legalerweise auch DAZN im Ausschank hat. Die Sportsbar-Datenlage ist aber mittlerweile miserabel, deswegen empfehlen wir dir gleich drei Suchmaschinen.
Es gab einmal bessere Zeiten, um sicher in den Hafen einer Fußballkneipe mit Champions League auf der Leinwand zu gelangen. Lange ist es her. Damals – das Smartphone war noch eine nerdy Erfindung und die mobile Nutzung von Google Maps nicht selbstverständlich – reichte ein irgendwie aus der Zeit gefallenes rotgelborangenes Schild mit der Aufschrift „Premiere Sportsbar“, um den Abend zu retten.
Und heute? Auch eine Sky Sportsbar, seit 2009 Nachfolger des Premiere-Schilds, ist nicht mehr das, was sie einmal war: ein sicheres Auffangbecken für alle Fußballbegeisterten. Denn die Königsklasse kann sich Sky schon lange nicht mehr leisten – lediglich eine Partnerschaft mit Amazon Prime machte es auch in dieser Saison möglich, zumindest das Topsiel am Dienstag live in einer Sky Sportsbar zu erleben.
Nur eines haben das Früher und das Heute gemeinsam: Fußballkneipen werden beim Rückspiel im Halbfinale der Champions League zwischen Bayern München und Paris Saint-Germain aus allen Nähten platzen. Und Bahnfahrende werden wegen Ruckelvideos fluchen und sich über Live-Radioreportagen freuen.
700 Euro im Monat: Mindestens zwei Lizenzen – sonst fehlt die Hälfte
Das Übertragungsrechte-Hickhack hat den Gastronomen aber sicher mehr geschadet als es die Rechteinhaber und Lizenzgeber mit lauthalsigen Umsatzboostversprechungen glauben lassen wollen. „DAZN for Business“ kostet den Kneipier derzeit 399 Euro im Monat, um die Champions League zeigen zu dürfen. Sky für Gewerbetreibende beläuft sich auf 299 € im Monat. Dieses Invest müssen Gäste ersteinmal in Form von Bierkonsum reingeholt haben, bevor es ans eigentliche Geldverdienen geht. Und während einer Saison ist lange nicht sicher, ob populäre Teams wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund als Ankervereine mit breiter Fanbase sportlich überhaupt weit genug kommen, um daraus auch für die Gastronomie einen Erfolg abzuleiten.
Klar ist aber auch: Nur DAZN Bar oder nur Sky Sportsbar zu sein, ergibt keinen Sinn. Denn dann geht die Planbarkeit aufgrund der Verteilung der Übertragungsrechte der Bundesliga komplett flöten. Fast jede Fußballkneipe hat eine „Mannschaft des Hauses“, die sie immer zeigen muss. Und das geht nur mit einem Sky-DAZN-Doppel-Abo – von MagentaSport, Sportdigital und anderen relevanten Sportsendern und Streamingplattformen gar nicht zu sprechen.
Eine Wahrheit ist deshalb: Die betriebswirtschaftliche Vernunft brachte viele Gastronomen dazu, ihre Sportsbar-Schilder abzuhängen. Nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch die Zerhackstückelung der Senderechte sorgte dafür, dass Live-Fußball von der Karte vieler Bars und Kneipen gestrichen wurde. Die „Leichen“ in Datenbanken sind deshalb deutlich gestiegen.
Sportsbar Finder sind kein Geschäftsmodell, sondern aufwändiger Service
Dem gemeinen Fußballfan bleiben trotz allem nur diverse Kneipenfinder im Internet. Spätestens seit dem Markteintritt von DAZN tun sie sich aber schwer, ihre User mit einer verlässlichen Datenlage bezüglich des Sender-Angebots zu versorgen. Wir von fussballgucken.info nehmen uns davon gar nicht aus. Aber dennoch sind Sportsbar-Finder neben der guten alten Empfehlung von Freunden und einer Wohnzimmer-Stammkneipe um die Ecke noch immer eine Option, wenn man an einem Mittwochabend um 21 Uhr wie verloren in der Innenstadt steht.